Einweihungsfeier

Der OZ Frankfurt lud ein, und alle, alle kamen!

Nachdem unser Zirkellokal seit Anfang des Jahres im neues Glanz erstrahlt wollten wir mit diesem Abend all denen Danke sagen, die dieses Vorhaben erst ermöglich haben.

Des Weiteren war die Hausgemeinschaft, die unser Zirkellokal toleriert, bereit, weitere Parkplätze für unsere Zirkelabende zur Verfügung zu stellen. Auch sie waren an diesem Abend unsere Gäste in der Absicht, aus unserer Anonymität herauszutreten. Sie sollten einmal hautnah miterleben wer wir sind und was wir wollen.

Nicht zu vergessen die Handwerker, begeisterte Anhänger der Zauberkunst. Sie nahmen einen extra weiten Weg aus dem Ausland auf sich, um die Einweihung des Zirkellokals live zu erfahren.

Und so war erst einmal Party angesagt. Mit einen tollen Buffet, das Manfred angerichtet hatte, wurde der Abend eröffnet.

Auch viele unserer Mitglieder folgten der Einladung und so konnten unsere Akteure, die ein Programm zusammengestellt hatten, vor vollem Haus zaubern.

Manfred moderierte durch den Abend und der erste Künstler, den er ansagte, war Klaus Klamauk. Er zeigte Manipulationen mit einem Tuch, ein Tuchfärben sowie einen mentaler Effekt.

Bühne frei für Ravelli. Er zeigte den Milchglastrick und Tabarys Meisterroutine: Ein Seil mit vier Enden. Danach zeigte Manfred die Multi Pip Card mit einem nicht mehr zu überbietenden Abschluss.

Ansage für einen unserer kommerziellen Künstler: Der Hochstapler, Stefan Sprenger. Stefan bat eine Zuschauerin auf die Bühne und zeigte mit ihr zusammen die Homming Card plus. Ein Kartenkunststück, das jedes Laienpublikum nach Luft schnappen lässt. Toll gemacht!

Manfred zeigte das unsichtbare Kartenspiel, bevor er einen weiteren kommerziellen Künstler ansagte: Matteo Orlando mit seiner unerklärlichen Restaurant-Nummer. Der Zahl „7“ kam bei dieser Routine eine ganz besondere Bedeutung zu.

Ansage für Harry Keaton. Er machte eine Vorhersage und begann mit den Worten: „… ich habe heute Nacht von Ihnen geträumt…! Und tatsächlich! Namen und Daten erschienen in einem zuvor aufgeblasenen Luftballon, den ein Zuschauer die ganze Zeit über in seinen Händen hielt.

Aber damit war das Programm noch nicht zu Ende. Andreas Fleckenstein zeigte einmal mehr seine gekonnte Version vom Geldschein der Zitrone. Ein Klassiker der Zauberkunst, der von unserem Publikum mit offenen Mündern honoriert wurde.

Damit ging unser „Gäste“-Abend zu Ende. Die Zauberer wurden von Manfred noch einmal mit viel Applaus auf die Bühne gebeten und wir Akteure applaudierten unserem Publikum.

Danke an alle, die diesen Abend realisiert haben. „… es war einfach nur schön…“ schwärmten unsere Gäste. Warum also in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah? Ein Da Capo an gleicher Stelle wäre bestimmt, in eigener Sache, zauberhaft.

Text: Dieter Daniel Bilder: Wolfgang Loh


Seminar mit Joe Rindfleisch

Gib Gummi!

Da sitzt er im Zirkellokal so alleine für sich hin und isst eine Frankfurter Rindswurst – wem die feine Ironie dieser Situation nicht auffällt, dem ist nicht mehr zu helfen. Immerhin heißt der Mann Joe Rindfleisch und obwohl er Amerikaner ist, ist auch ihm natürlich bewußt, welche Bedeutung sein Name in der deutschen Sprache hat.

Nachdem er sein Abendessen verzehrt hat, stellt er sich vor sein zahlreiches Publikum und redet über das, was ihn in der Zauberszene bekannt gemacht hat: Zaubern mit Gummibändern. Es wird relativ schnell klar: Der Mann ist ein Besessener, ein Getriebener, jemand der seine Passion gefunden hat. Das mag die folgende Anekdote zeigen: Die Familie Rindfleisch sitzt im Gottesdienst und Joe spielt – wie immer – mit seinen Lieblingsrequisiten herum, als ihm plötzlich ein Gummiband im hohen Bogen wegfliegt und in den Haaren einer Dame landet. Das trägt ihm ein schlechtes Gewissen und einen mahnenden Blick seiner Ehefrau ein. Aber eine Abschiedsumarmung mit besagter Dame verhilft ihm dazu, sein Gummiband wieder zu stehlen und alles ist wieder gut.

Seine Vorführungen zeigen sehr bald, dass die intensive Beschäftigung mit den Gummibändern Früchte getragen hat: Das ist Gummiband-Zauberei auf einem ganz anderen Niveau als crazy mans handcuffs. Das sind Routinen mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, dass sind Bausteine, die kombinierbar sind, das sind grundlegende Techniken, die sich vielfach verwenden lassen, nicht einfach nur Puzzles oder nette Displays.

Der Anspruch des ersten Teils des Seminars ist es, allen Anwesenden mindestens drei von sechs vorgeführten Effekten beizubringen – was im Großen und Ganzen gelingt. Mancheiner muß dazu allerdings Verrenkungen vollführen, die eher an gymnastische Übungen denken lassen, als an Zauberei.

Dabei sind manche Effekte so verblüffend, dass sich einige Teilnehmer selbertäuschen: Oohs! und Aaahs! aus den hinteren Reihen legen Zeugnis davon ab.

Im zweiten Teil des Seminars geht es etwas mehr zur Sache, die Effekte werden schwieriger und länger, es kommen weitere Requisiten dazu.

Es zeigt sich, dass sich Joe Rindfleisch neben der Konstruktion von guten Routinen unter anderem auch mit Topologie beschäftigt hat, der Teildisziplin der Mathematik, die sich – vereinfacht gesagt – mit der Lage und Anordnung geometrischer Gebilde im Raum beschäftigt. Alles im Dienste guter Unterhaltung wohlgemerkt, nicht als l’art pour l’art. Eine runde Sache, dieses Seminar und viele Teilnehmer gehen mit Joes
Packungen voller Gummibänder und Instruktionsvideos nach Hause.

Text: Karsten Meyerhoff | Bilder: Michelle Spillner