Slydini

„Ein guter General bestimmt sein Schlachtfeld selbst“. Dieses Zitat von Tony Slydini setzte der OZ Frankfurt nach langen Vorbereitungen um und gestaltete seine Zirkelbühne zu einem weitern Biografieabend. Nach Hofzinser, Marvelli, Dr. Stanley Jaks, Werry und Punx sollte dieser Abend Leben, Werk und Zeit eines weiteren, berühmter Zauberkünstler in dieser noch jungen Zirkeltradition werden beleuchten.
Andreas begrüßte die zahlreichen Gäste und zur Einstimmung wurden Kurzvideos von Slydini gezeigt.
Danach las Wolfgang Loh die Biografie dieses großen Zauberkünstlers, der in Foggia, Italien, 1901 geboren wurde. Einer seiner Schüler, Jim Cellini, kreierte ihm zu Ehren eine Ringspiel-Routine mit nur zwei Ringen, die uns Dieter vorführte. Danach folgte die Helicopter Card, ein Kartenkunststück, dass in der Fachwelt eher umstritten ist, aber von denjenigen, die mit Slydini an einem Tisch saßen, hochgelobt wurde.
Andreas zeigte zwei Kunststücke, die Sicherheitsnadeln und das weniger bekannte Kunststück „Ring und Faden“, Matteo brillierte mit den „Slydini Silks“ und Dieter demonstrierte eine Routine, die Slydini in der Dick Cavett-Show gezeigt hatte: Das zerschnittene und wiederhergestellte Seil.
Ein weiteres, sehenswertes Kunststück, das von Matteo interpretiert wurde, war „Paperball in the Box sowie „Coin thrue table“, gezeigt von Dieter.
Den Abschluss bildete ebenfalls ein Slydini-Klassiker: „Paperballs over the Head“.
Nicht nur unser Publikum, auch alle Protagonisten waren zufrieden, war die Trickauswahl doch eher sehr speziell und nicht immer einfach vorzuführen. Der Ruf, weitere Abende dieser Art zu gestalten blieb nicht ungehört und man macht sich bereits Gedanken, wer der „nächste Star“ unserer Biografieabende sein könnte. Fazit: Fortsetzung folgt!
Danke an alle Gäste und Mitwirkende unseres Slydini-Abends.

Text: Ravelli
Bilder: Wolfgang Loh, Heinz Dieter Rado

Seminar mit Jan Logemann und Patrick Folkers

Herr Logemann ist hoch gebaut, durchtrainiert, blond, die Haare sind zu einem Dutt geflochten, aber zu einem coolen, nicht so ein omahaftes Ding und selten, ganz selten durchbricht ein ganz leichter Fehmarn-Einschlag sein ansonsten makelloses Deutsch: Der Mann ist, jeder Zoll, das Idealbild eines Surfer-Dudes – bis er anfängt zu zaubern. Dann ist er ein netter Mensch, der von sich berichtet, von den Dingen, die ihm wichtig sind und der fast nebenher die unglaublichsten Dinge zuwege bringt.

Herr Logemann hat Humor, einen sehr feinen, hanseatischen Humor. Nicht krachledern wie der von Gazzo, nicht so im Vordergrund stehend wie bei Amazing Jonathan, sondern immer zurückhaltend und im Dienst der Sache, im Dienste der Aufmerksamkeitslenkung.

Herr Logemann mag nämlich keine Ablenkung, denn er hält es mit Tommy Wonder und seinem Postulat, dass man nicht in Kategorien von Ablenkung oder misdirection denken sollte, sondern in solchen von permanenter Aufmerksamkeitslenkung. Das merkt man dem Aufbau seiner Nummern auch an: Die schmutzigen Sachen passieren immer, wenn nach der Gestaltung des Vortrages gar keine Aufmerksamkeit da ist, wo sie passieren, die schmutzigen Sachen.

Herr Logemann ist übrigens zwei Zauberer, denn er hat noch Patrick Folkerts mitgebracht, und wenn der anfängt zu reden, wird einem klar, dass einige Aspekte des theoretischen Unterbaus der Logemann’schen Nummern von ihm stammen. Er hat sich offensichtlich ziemlich intensiv und systematisch mit der theatralen Inszenierung der Zauberkunst befasst und hinterläßt allen Anwesenden sogar eine „Kleine Checkliste zur Dramaturgie des Wunders“. Sehr faszinierend zu sehen, wie sich hier zwei Zauberer mit den theoretischen Grundlagen der Zauberei auseinandersetzen und die Konsequenzen dessn konkret in ihre Arbeit einfließen lassen. So tut Jan Logemann auf seiner Bühne nie etwas, nur weil er es kann, sondern immer, weil es etwas bedeutet, weil es eine Geschichte dazu gibt, weil er wissen will, ob seine Zuschauer einen Bezugspunkt finden. Das wirkt alles sehr authentisch, sehr entspannt, sehr unterhaltsam.

Herr Logemann ist belesen, ständig zitiert er Tommy Wonder oder den unlängst verstorbenen Johnny Thompson und er weiß auch sehr genau um die Geschichte der Effekte, die er vorführt: Sehr sympathisch.
Alles in allem eine sehr interessante Abwechslung zu den „Trick-Erklärung-Trick-Erklärung-Trick-…-Verkauf“-Seminaren. Unter anderem ist dieses Seminar anders, weil Jan und Patrick im zweiten Teil einen anderen Zauberer – Amedeo Velluso – auf die Bühne bitten um einen seiner Effekte vorzuführen. Hinterher ziehen sie sich ein wenig zurück, beraten ein wenig und geben vor dem Hintergrund des geschilderten, theoretischen Kozepts ihren Eindruck wieder und deuten Verbesserungsmöglichkeiten an. Sehr fair, sehr fein, sehr zurückhaltend, sehr nachvollziehbar: Man erkennt, wie sie ihre theoretischen Konzepte in kurzer Zeit praktisch zur Anwendung bringen.

Die Webseite des Künstlers ist übrigens auch sehr schön und sehenswert: https://janlogemann.de/

Text: Karsten Meyerhoff

Einweihungsfeier

Der OZ Frankfurt lud ein, und alle, alle kamen!

Nachdem unser Zirkellokal seit Anfang des Jahres im neues Glanz erstrahlt wollten wir mit diesem Abend all denen Danke sagen, die dieses Vorhaben erst ermöglich haben.

Des Weiteren war die Hausgemeinschaft, die unser Zirkellokal toleriert, bereit, weitere Parkplätze für unsere Zirkelabende zur Verfügung zu stellen. Auch sie waren an diesem Abend unsere Gäste in der Absicht, aus unserer Anonymität herauszutreten. Sie sollten einmal hautnah miterleben wer wir sind und was wir wollen.

Nicht zu vergessen die Handwerker, begeisterte Anhänger der Zauberkunst. Sie nahmen einen extra weiten Weg aus dem Ausland auf sich, um die Einweihung des Zirkellokals live zu erfahren.

Und so war erst einmal Party angesagt. Mit einen tollen Buffet, das Manfred angerichtet hatte, wurde der Abend eröffnet.

Auch viele unserer Mitglieder folgten der Einladung und so konnten unsere Akteure, die ein Programm zusammengestellt hatten, vor vollem Haus zaubern.

Manfred moderierte durch den Abend und der erste Künstler, den er ansagte, war Klaus Klamauk. Er zeigte Manipulationen mit einem Tuch, ein Tuchfärben sowie einen mentaler Effekt.

Bühne frei für Ravelli. Er zeigte den Milchglastrick und Tabarys Meisterroutine: Ein Seil mit vier Enden. Danach zeigte Manfred die Multi Pip Card mit einem nicht mehr zu überbietenden Abschluss.

Ansage für einen unserer kommerziellen Künstler: Der Hochstapler, Stefan Sprenger. Stefan bat eine Zuschauerin auf die Bühne und zeigte mit ihr zusammen die Homming Card plus. Ein Kartenkunststück, das jedes Laienpublikum nach Luft schnappen lässt. Toll gemacht!

Manfred zeigte das unsichtbare Kartenspiel, bevor er einen weiteren kommerziellen Künstler ansagte: Matteo Orlando mit seiner unerklärlichen Restaurant-Nummer. Der Zahl „7“ kam bei dieser Routine eine ganz besondere Bedeutung zu.

Ansage für Harry Keaton. Er machte eine Vorhersage und begann mit den Worten: „… ich habe heute Nacht von Ihnen geträumt…! Und tatsächlich! Namen und Daten erschienen in einem zuvor aufgeblasenen Luftballon, den ein Zuschauer die ganze Zeit über in seinen Händen hielt.

Aber damit war das Programm noch nicht zu Ende. Andreas Fleckenstein zeigte einmal mehr seine gekonnte Version vom Geldschein der Zitrone. Ein Klassiker der Zauberkunst, der von unserem Publikum mit offenen Mündern honoriert wurde.

Damit ging unser „Gäste“-Abend zu Ende. Die Zauberer wurden von Manfred noch einmal mit viel Applaus auf die Bühne gebeten und wir Akteure applaudierten unserem Publikum.

Danke an alle, die diesen Abend realisiert haben. „… es war einfach nur schön…“ schwärmten unsere Gäste. Warum also in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah? Ein Da Capo an gleicher Stelle wäre bestimmt, in eigener Sache, zauberhaft.

Text: Dieter Daniel Bilder: Wolfgang Loh


Seminar mit Joe Rindfleisch

Gib Gummi!

Da sitzt er im Zirkellokal so alleine für sich hin und isst eine Frankfurter Rindswurst – wem die feine Ironie dieser Situation nicht auffällt, dem ist nicht mehr zu helfen. Immerhin heißt der Mann Joe Rindfleisch und obwohl er Amerikaner ist, ist auch ihm natürlich bewußt, welche Bedeutung sein Name in der deutschen Sprache hat.

Nachdem er sein Abendessen verzehrt hat, stellt er sich vor sein zahlreiches Publikum und redet über das, was ihn in der Zauberszene bekannt gemacht hat: Zaubern mit Gummibändern. Es wird relativ schnell klar: Der Mann ist ein Besessener, ein Getriebener, jemand der seine Passion gefunden hat. Das mag die folgende Anekdote zeigen: Die Familie Rindfleisch sitzt im Gottesdienst und Joe spielt – wie immer – mit seinen Lieblingsrequisiten herum, als ihm plötzlich ein Gummiband im hohen Bogen wegfliegt und in den Haaren einer Dame landet. Das trägt ihm ein schlechtes Gewissen und einen mahnenden Blick seiner Ehefrau ein. Aber eine Abschiedsumarmung mit besagter Dame verhilft ihm dazu, sein Gummiband wieder zu stehlen und alles ist wieder gut.

Seine Vorführungen zeigen sehr bald, dass die intensive Beschäftigung mit den Gummibändern Früchte getragen hat: Das ist Gummiband-Zauberei auf einem ganz anderen Niveau als crazy mans handcuffs. Das sind Routinen mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, dass sind Bausteine, die kombinierbar sind, das sind grundlegende Techniken, die sich vielfach verwenden lassen, nicht einfach nur Puzzles oder nette Displays.

Der Anspruch des ersten Teils des Seminars ist es, allen Anwesenden mindestens drei von sechs vorgeführten Effekten beizubringen – was im Großen und Ganzen gelingt. Mancheiner muß dazu allerdings Verrenkungen vollführen, die eher an gymnastische Übungen denken lassen, als an Zauberei.

Dabei sind manche Effekte so verblüffend, dass sich einige Teilnehmer selbertäuschen: Oohs! und Aaahs! aus den hinteren Reihen legen Zeugnis davon ab.

Im zweiten Teil des Seminars geht es etwas mehr zur Sache, die Effekte werden schwieriger und länger, es kommen weitere Requisiten dazu.

Es zeigt sich, dass sich Joe Rindfleisch neben der Konstruktion von guten Routinen unter anderem auch mit Topologie beschäftigt hat, der Teildisziplin der Mathematik, die sich – vereinfacht gesagt – mit der Lage und Anordnung geometrischer Gebilde im Raum beschäftigt. Alles im Dienste guter Unterhaltung wohlgemerkt, nicht als l’art pour l’art. Eine runde Sache, dieses Seminar und viele Teilnehmer gehen mit Joes
Packungen voller Gummibänder und Instruktionsvideos nach Hause.

Text: Karsten Meyerhoff | Bilder: Michelle Spillner

Feier-Abend nach dem Feierabend

Die Adventszeit ist für alle Zauberer, seien sie Amateure, Semi-Profis oder Profis, eine mit vielen Terminen angefüllte Zeit. Es sind bei vielen Firmen und Vereinen viele Weihnachtsfeiern zu bezaubern. So hat denn nicht nur der Schuster nach einem bekannten Sprichwort immer selber die schlechtesten Schuhe, sondern die im Magischen Zirkel organisierten Zauberer Frankfurts immer einiges damit zu tun, in der Vorweihnachtszeit mal abzuschalten und selber dem Zauber der Weihnacht nachzuspüren.
Die diesjährige Weihnachtsfeier findet am 17. Dezember wieder am bekannten und bewährten Ort statt, nämlich oben auf dem Lohrberg mit dem bekannten spektakulären Ausblick auf Frankfurt – und der Vorsitzende des Ortszirkels Frankfurt, Andreas Fleckenstein, lässt es sich nicht nehmen, den Zauber der Weihnacht quasi zu personifizieren, indem er einen mit Blinklämpchen verzierten Pullover trägt: Man muss so was eben tragen können.
Noch vor der Vorspeise wird mit Volker Huber jemand geehrt, der dem Magischen Zirkel bereits 50 Jahre angehört: Mancher Künstler häuft nicht so viele Lebensjahre an, wie dieser Zauberfreund Mitgliedsjahre auf dem Buckel hat – Respekt!
Über dem Essen das dem Gaumen durchaus schmeichelt, wird dann gefachsimpelt: Der Mensch ist nun mal ein geselliges Wesen und bedarf der Gemeinschaft Anderer. Wie war so bei „Penn & Teller: Fool us!“ hinter den Kulissen? Bist Du echt mal in einem „Saunaclub“ aufgetreten? Und wie ging noch das Kunststück mit der Serviette?
Zwischen dem Hauptgang und der Nachspeise treibt dann die Veranstaltung ihrem Höhepunkt zu: Dem Poetry Slam. „Dem Poetry – was?“ hört man den einen oder anderen fragen. Ein Poetry Slam, so erfährt in Wikipedia, ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Man erkennt: Es ist nicht so schnöde wie Comedy, darf aber lustig sein, es ist nicht so spießig wie Gedichte aufsagen, darf sich aber auch mal reimen. Für den Magischen Zirkel slammen eine Damen und zwei Herren aus der Wetterau, einer Gegend, deren Menschen ja für ihre Wortgewalt bekannt sind und für den floretthaft-eleganten Umgang mit der Sprache. Dem Auditorium gefällt es, es wird applaudiert, mal mehr, mal weniger – und das soll so sein, denn auf diese Art und Weise wird der Sieger gekürt, der zur nach dem Willen der Frankfurter Zauberer eine Siegerin ist. Einen würdigen Abschluß findet der Abend im Wichteln: Jeder hat eine Kleinigkeit mitgebracht, meistens kleine Zauberutensilien, die auf schöne Tüten verteilt werden und jeder geht mit einer solchen Tüte nach Hause. Ein vom stellvertretenden Vorsitzenden Stefan Sprenger gebasteltes Knobelspiel gibt es noch obendrein und so läßt sich abschließend sagen: Wer dieses Jahr nicht dabei war, hat Pech gehabt, aber aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass auch im kommenden Jahr am 24.12. Weihnachten gefeiert wird – und der Magische Zirkel Frankfurt kurz davor wieder einen Feier-Abend anberaumen wird.
 
Text: Karsten Meyerhoff
Bilder: Heinz-Dieter Rado

Manfred Marquardt, *14.06.1929 †07.10.2018

Wir haben die traurige Nachricht erhalten, dass unser langjähriges Mitglied Manfred Marquardt im Alter von 89 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Beruflich war Manfred Marquardt Betriebsinspektor, seit dem 1. Mai 1961 Mitglied im MZvD und dem OZ Frankfurt. Seine Lieblingssparten waren die Mikromagie sowie die Kartenkunst, ebenso war er sehr an der Historie und Geschichte der Zauberkunst interessiert.

Der OZ Frankfurt wird unserem verstorbenen Mitglied  Manfred Marquardt ein ehrendes Andenken bewahren.

Seminar mit Fl!p

Sein neuestes Seminar heißt „Envelopedia Magica“ und steht unter dem Motto: packs flat, plays big. Sein Instrument dafür sind Papier und Kuverts. Ein in sich geschlossenes Thema, dass uns Flip mit Ruhe und Unaufdringlichkeit illustrierte. Was er daraus macht sind nicht nur visuelle, praktische Kunststücke und Prinzipien, die jeder nachvollziehen kann. Flip demonstriert uns Verschiedenheit und Gedankenanregungen zur Origami Faltkunst, wertvolle Ideen mit Neuem und Bekanntem und daraus resultierenden magischen Effekte.
Er ist einer der wenigen wirklich durch und durch originellen, kreativen Zauber-künstler, ein Original, ein Trendsetter. Was immer er anfasst, es verändert sich. Er hat die Zauberkunst mit Seilen nachhaltig verändert und seine Kartenkunst bildet ein eigenes Universum. Er ist Erfinder, Performer, Historiker, ein wahrer „Renaissance Man“ der Zauberkunst. Flip gehört ohne Wenn und Aber zu den Stars der Zauberkunst, um es mit Roberto Giobbi zu sagen: „… den ich ohne zu zögern als ein Genie der Zauberkunst bezeichnen möchte…!“
Diesem Satz kann ich mich nur voll und ganz anschließen.

Text: Dieter Daniel, Wolfgang Loh

Bilder: Wolfgang Loh

Ein Abend für Punx, der Unfassliche, initiiert von Ulrich Rausch.

Setzt Euch zu meinen Füßen

Er war ein Poet unter den Zauberkünstlern, ein Eulenspiegel, ein Cagliostro, und ein Münchhausen. Und er war Punx, der Unfassliche. Er hatte die Gabe, gute Effekte mit guten Geschichten zu verknüpfen und erreichte damit eine besonders wirksame, dramatische Präsentationsform. Wer die Menschen verzaubern und sein eigenes Tun und Treiben zur Kunstform entwickeln wollte, kam an Punx nicht vorbei.

Punx, mit bürgerlichem Namen Ludwig Hanemann, wurde uns an diesem Abend von Ulrich Rausch vorgestellt. Er war der Initiator dieses Abends und seine Projektarbeiten, von der Kindheit des Altmeisters in Hartlebury, Worcestershire, die Kriegsjahre, seine Internierung in England, wo er auch den Künstlernamen „Punx“ annahm, seine Begegnung mit Davenport und schließlich seine Stilfindung, die ihm den Hofzinserring auf Lebenszeit einbrachte.

Nach einer kurzen Pause präsentierte uns Helmut Klein Material aus der Sammlung von Herrn Dirk Hamberg, handverlesene Dokumente, die noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden…

… und wie von Zauberhand stand plötzlich „Flip“ im Raum, unser Seminarleiter für das kommende Seminar. Der sympathische Holländer wurde mit viel Applaus begrüßt.

Weiter ging es im Programm. „… werden Se kennen Kimmelblättchen…? Moritz Grün, eine Kümmel-blättchen-Routine von Punx, vorgetragen im „jiddischen“ von Ravelli.

Danach setzte Helmut Klein seine Präsentation aus der Sammlung Dirk Hamberg fort.

Ravelli stellte uns den Zauberkünstler Robert Farchmin näher vor sowie die Herkunft des gläsernen Herzens, dass bereits Ende der 20 er Jahre erwähnt wird.

Den Abschluss bildete unser Mitglied Stephan Skora. Gekonnt zeigte er „Das Märchen vom Gläsernen Herzen“. Geschichtenerzählende Zauberkunst in Vollendung.

Herr Dirk Hamberg meldete sich noch einmal zu Wort und was er zu berichten wusste ließ einen schon aufhorchen. Dazu muss man wissen, dass die beiden Familien, Hamberg und Hanemann, eng befreundet waren.

Der Abschluss war etwas melancholisch, doch sehr passend für diesen Abend. Es wurde eine Musik eingespielt, wo der verstorbene Borodin, ein Schüler von Punx und ausgebildeter Opernsänger, eine Hommage an die Kindheit intonierte. Den Text dazu hatte Punx geschrieben.

Ein Abend voller Informationen, Anekdoten , Erinnerungen und Zaubereien ging zu Ende.

„Sollt mich nicht Magier oder Zaub’rer nennen. Märchenerzähler wäre just das rechte“. Dieser Satz von Punx hat uns an diesem Abend treffen begleitet.
Danke im Namen des OZ Frankfurt an Ulrich Rausch, Helmut Klein, Herrn Dirk Hamberg, Stephan Skora und – Ravelli.

Text: Dieter Daniel
Bilder: Michelle Spillner

Nathan Kranzos Beerdigung

Nathan Kranzo ist Amerikaner und hat als solcher mit dem Tag der deutschen Einheit nicht viel am Hut, aber man muss fast fürchten, er wird ihn so schnell nicht vergessen – musste er doch sein letztes Seminar in Deutschland in unserem Zirkellokal am Vorabend des 3. Oktober vor einem recht kleinen Zuschauerkreis halten, was nur dem nachfolgenden Feiertag geschuldet gewesen sein kann. Aber bitte, in seinen eigenen Worten: „No matter how great you are: How many people turn up for your funeral depends on the wheather.“

Und great ist er, der Herr Kranzo, auch wenn er zunächst einmal daherkommt wie ein lässig gekleideter, netter Junge von Nebenan: Fedora-Hut, Lederjacke, Camouflage-Hose und Camel-Boots. Aber dann beginnt er sein Seminar mir einem der ältesten und müdesten Tricks der Zauberei (einem Tuchverschwinden) gespickt mit Insider-Gags und Anspielungen – nur um am Ende zu nebenbei zu enthüllen, dass er es nicht so gemacht hat, wie alle geglaubt haben. Spätestens da merkt jeder im Publikum wie profunde seine Technik ist.

Im Galopp geht es durch diverse Disziplinen der Mikro- und Parlour-Magie, wobei Münzen und Karten im Vordergrund stehen, verbunden durch eine wohlbekannte Technik, Dinge verschwinden zu lassen.

Vielen der Effekte ist gemeinsam, dass sie „machbar“ sind, also keine lange Vorbereitung oder extreme Fingerfertigkeit verlangen, die man nur nach Jahren der Askese und des rigorosen Trainings erlernen kann, und dass man sie geringem Aufwand selbst herstellen kann. Herr Kranzo umrahmt all das mit seinem jungenhaften Charme und viel Humor, ein Humor, der nicht aggressiv ist und der sich problemlos ins Deutsche übersetzen läßt, auch wenn Nathan Kranzo natürlich in seinem heimischen Idiom vorträgt – er spricht Englisch. Bei all dem steht da aber kein Comedy-Zauberer auf der Bühne, der Humor rahmt ein, verbindet und schafft Momente der Entspannung. Wer an dem Abend nicht teilgenommen hat und sich jetzt darüber ärgert, der kann sich unter nathankranzo.com wenigstens ein paar Videos anschauen.

Text und Bilder: Karsten Meyerhoff

Mobile first

Wer in der EDV-Industrie arbeitet, kennt dieses Motto das einen Befund der letzten Jahre auf eine kurze Formel bringt: Wer ein Angebot für Endkunden hat, der sollte allergrößten Wert darauf legen, dass es auf mobilen Endgeräten – vulgo: Smartphones – verfügbar ist oder das Produkt auf einer Smartphone-geeigneten Webseite bestellbar ist. Das gilt je mehr, je jünger das Publikum ist, an das man sich wendet. Ein guter Grund, dass sich Zauberkünstler fragen, ob sich Apps für ihre Kunst verwenden lassen, zumal Künstler wie Marco Tempest und Simon Pierro diese Frage schon lange erfolgreich mit „Ja!“ beantworten.

Im Rahmen der Zirkeltreffen des Ortszirkels Frankfurt des Magischen Zirkels war diese Frage vor geraumer Zeit schon einmal gestellt – und seinerzeit abschlägig beschieden worden. Als zu simpel, zu verspielt und zu einfallslos waren die damals verfügbaren Apps eingestuft worden. Da aber die Entwicklung in kaum einem Bereich der Technologie so schnell voranschreitet wie bei Computern und Smartphones, war es an der Zeit, sich die Frage erneut vorzulegen.

Andreas Fleckenstein hatte den Abend dramaturgisch so aufgebaut, dass er zunächst solche Apps vorstellte, die eher noch in die Kategorie „simpel, verspielt, einfallslos“ gehörten, um dann den Anspruch, die Nützlichkeit und den „Wow-Faktor“ des Vorgestellten zu steigern. Dabei rangierten die Prinzipien, auf denen die vorgestellten Apps basierten, zwischen „wohlvertraut, altbekannt, bewährt, jetzt auch im Handy“ und „oh, das ist neu!“. Gemeinsam war fast allen Apps, dass sie auf den Smartphone des Zauberers laufen müssen und das sie nur für eines der beiden weit verbreiteten mobilen Betriebssysteme iOS oder Android verfügbar sind. Eine der wenigen Ausnahmen präsentierte Nicolai Friedrich, der zur Verblüffung vieler Anwesender einen frei gewählten Ausdruck auf einer frei gewählten Seite der Online-Enzyklopädie Wikipedia in den Gedanken zweier Zuschauer las. Namen die im Zusammenhang mit den nützlicheren Apps immer wieder fielen waren Max Krause, Greg Rostami und Marc Kerstein. Neben vielen Apps, die direkt der Zauberei dienen, wurde auch eine App vorgestellt, die das Handy zu einem fernbedienbaren Musikeinspieler macht, und zwar zu einem ganz speziell auf die Bedürfnisse der Zauberer abgestimmten.

Der Abend wurde durch eine Pause zweigeteilt, in der sich die einen an der Frankfurter Rindswurst, die anderen am Nikotin labten – und dann ging die Post ab! Martin Eisele war eigens aus dem Schwäbischen angereist und stellte App-Zauberei von einem anderen Stern vor. Die Kunststücke, die er mit dem iPhone vorstellte, waren äußerst verblüffend und bestachen einerseits durch die Komplexität dessen, was das Smartphone für die Zaubereffekte leistet und andererseits dadurch, dass das Telefon für den Zuschauer gar keine Rolle zu spielen scheint. Das Smartphone steht auf eine sehr verblüffende, innovative Art und Weise im Dienste der Zaubereffekte, es ist nicht ihr Mittelpunkt, ja, es scheint gar nicht Bestandteil des Effektes zu sein. Das hat mit “ simpel, verspielt, einfallslos“ gar nichts mehr zu tun. Ob es für alle Zauberer in Zukunft „Mobile first“ heißen wird, sei mal dahingestellt, aber wenn es mit rechten Dingen zugeht, wird der eine oder andere recht bald auch einen App-Effekt im Programm haben. Wer mehr über Martins App erfahren möchte kann das hier tun: https://www.vision-tricks.com/

Text. Karsten Meyerhoff
Bilder: Michelle Spillner