Nathan Kranzos Beerdigung

Nathan Kranzo ist Amerikaner und hat als solcher mit dem Tag der deutschen Einheit nicht viel am Hut, aber man muss fast fürchten, er wird ihn so schnell nicht vergessen – musste er doch sein letztes Seminar in Deutschland in unserem Zirkellokal am Vorabend des 3. Oktober vor einem recht kleinen Zuschauerkreis halten, was nur dem nachfolgenden Feiertag geschuldet gewesen sein kann. Aber bitte, in seinen eigenen Worten: „No matter how great you are: How many people turn up for your funeral depends on the wheather.“

Und great ist er, der Herr Kranzo, auch wenn er zunächst einmal daherkommt wie ein lässig gekleideter, netter Junge von Nebenan: Fedora-Hut, Lederjacke, Camouflage-Hose und Camel-Boots. Aber dann beginnt er sein Seminar mir einem der ältesten und müdesten Tricks der Zauberei (einem Tuchverschwinden) gespickt mit Insider-Gags und Anspielungen – nur um am Ende zu nebenbei zu enthüllen, dass er es nicht so gemacht hat, wie alle geglaubt haben. Spätestens da merkt jeder im Publikum wie profunde seine Technik ist.

Im Galopp geht es durch diverse Disziplinen der Mikro- und Parlour-Magie, wobei Münzen und Karten im Vordergrund stehen, verbunden durch eine wohlbekannte Technik, Dinge verschwinden zu lassen.

Vielen der Effekte ist gemeinsam, dass sie „machbar“ sind, also keine lange Vorbereitung oder extreme Fingerfertigkeit verlangen, die man nur nach Jahren der Askese und des rigorosen Trainings erlernen kann, und dass man sie geringem Aufwand selbst herstellen kann. Herr Kranzo umrahmt all das mit seinem jungenhaften Charme und viel Humor, ein Humor, der nicht aggressiv ist und der sich problemlos ins Deutsche übersetzen läßt, auch wenn Nathan Kranzo natürlich in seinem heimischen Idiom vorträgt – er spricht Englisch. Bei all dem steht da aber kein Comedy-Zauberer auf der Bühne, der Humor rahmt ein, verbindet und schafft Momente der Entspannung. Wer an dem Abend nicht teilgenommen hat und sich jetzt darüber ärgert, der kann sich unter nathankranzo.com wenigstens ein paar Videos anschauen.

Text und Bilder: Karsten Meyerhoff

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