Seminar mit Jan Logemann und Patrick Folkers

Herr Logemann ist hoch gebaut, durchtrainiert, blond, die Haare sind zu einem Dutt geflochten, aber zu einem coolen, nicht so ein omahaftes Ding und selten, ganz selten durchbricht ein ganz leichter Fehmarn-Einschlag sein ansonsten makelloses Deutsch: Der Mann ist, jeder Zoll, das Idealbild eines Surfer-Dudes – bis er anfängt zu zaubern. Dann ist er ein netter Mensch, der von sich berichtet, von den Dingen, die ihm wichtig sind und der fast nebenher die unglaublichsten Dinge zuwege bringt.

Herr Logemann hat Humor, einen sehr feinen, hanseatischen Humor. Nicht krachledern wie der von Gazzo, nicht so im Vordergrund stehend wie bei Amazing Jonathan, sondern immer zurückhaltend und im Dienst der Sache, im Dienste der Aufmerksamkeitslenkung.

Herr Logemann mag nämlich keine Ablenkung, denn er hält es mit Tommy Wonder und seinem Postulat, dass man nicht in Kategorien von Ablenkung oder misdirection denken sollte, sondern in solchen von permanenter Aufmerksamkeitslenkung. Das merkt man dem Aufbau seiner Nummern auch an: Die schmutzigen Sachen passieren immer, wenn nach der Gestaltung des Vortrages gar keine Aufmerksamkeit da ist, wo sie passieren, die schmutzigen Sachen.

Herr Logemann ist übrigens zwei Zauberer, denn er hat noch Patrick Folkerts mitgebracht, und wenn der anfängt zu reden, wird einem klar, dass einige Aspekte des theoretischen Unterbaus der Logemann’schen Nummern von ihm stammen. Er hat sich offensichtlich ziemlich intensiv und systematisch mit der theatralen Inszenierung der Zauberkunst befasst und hinterläßt allen Anwesenden sogar eine „Kleine Checkliste zur Dramaturgie des Wunders“. Sehr faszinierend zu sehen, wie sich hier zwei Zauberer mit den theoretischen Grundlagen der Zauberei auseinandersetzen und die Konsequenzen dessn konkret in ihre Arbeit einfließen lassen. So tut Jan Logemann auf seiner Bühne nie etwas, nur weil er es kann, sondern immer, weil es etwas bedeutet, weil es eine Geschichte dazu gibt, weil er wissen will, ob seine Zuschauer einen Bezugspunkt finden. Das wirkt alles sehr authentisch, sehr entspannt, sehr unterhaltsam.

Herr Logemann ist belesen, ständig zitiert er Tommy Wonder oder den unlängst verstorbenen Johnny Thompson und er weiß auch sehr genau um die Geschichte der Effekte, die er vorführt: Sehr sympathisch.
Alles in allem eine sehr interessante Abwechslung zu den „Trick-Erklärung-Trick-Erklärung-Trick-…-Verkauf“-Seminaren. Unter anderem ist dieses Seminar anders, weil Jan und Patrick im zweiten Teil einen anderen Zauberer – Amedeo Velluso – auf die Bühne bitten um einen seiner Effekte vorzuführen. Hinterher ziehen sie sich ein wenig zurück, beraten ein wenig und geben vor dem Hintergrund des geschilderten, theoretischen Kozepts ihren Eindruck wieder und deuten Verbesserungsmöglichkeiten an. Sehr fair, sehr fein, sehr zurückhaltend, sehr nachvollziehbar: Man erkennt, wie sie ihre theoretischen Konzepte in kurzer Zeit praktisch zur Anwendung bringen.

Die Webseite des Künstlers ist übrigens auch sehr schön und sehenswert: https://janlogemann.de/

Text: Karsten Meyerhoff

About the author: Administrator