(19. Januar 2026) Spanier haben was los, wenn’s um Kartenzauberei und close-up im Allgemeinen geht, das weiß man ja. Namen wie Juan Tamariz oder Dani DaOrtiz sagen jedem halbwegs Eingeweihten etwas, der Name Miguel Ángel Gea nicht unbedingt – und das ist ewig schade! Der Mann gehört sicher zu denen, die was los haben – der hat soviel los, dass manche Teilnehmer des Seminars hinterher sagen: „Gut, da kann ich jetzt aufhören mit zaubern, das erreiche ich nie.“. Ich gehöre auch zu denen, die das – im Scherz – sagen, aber die eigentliche Botschaft eines Abends, wie diesem ist natürlich: „Schau her: Da kann es hingehen, wenn man die entsprechende Arbeit und Passion reinsteckt.“. Hört der Hobbyaquarellist mit dem Malen auf, weil es einen Vincent van Gogh gegeben hat? Nein, natürlich nicht, aber er strengt sich vielleicht ein wenig mehr an, weil es ihn gegeben hat.
Miguel Ángel Gea verbindet zwei Dinge miteinander, die seine Zauberkunst unglaublich effektiv und faszinierend machen: Ein sehr interessantes, wohl durchdachtes theoretisches Gebäude und eine erhebliche Fingerfertigkeit. Dabei ist das Theoriegebäude der ungewöhnlichere der beiden Aspekte seiner Zauberkunst, denn viele erfahrene Zauberer machen Dinge, weil ihre Erfahrung sie gelehrt hat, dass es „so richtig ist“, Miguel Ángel Gea hat sich mit Neurowissenschaftlern hingesetzt und Dinge wie Konstruktion, Struktur, Gestalt, Intentionalität, Information und Vieles mehr diskutiert. Die Auswirkungen und Anwendungen dessen zeigt er in seinem Seminar, keine These wird trocken vorgetragen, alles wird sofort am konkreten Beispiel gezeigt – und wenn er mal Dinge bewußt „falsch“ zeigt, wird jedem sofort klar, warum die richtige Version soooo viel besser war.
Was mich schlußendlich am meisten gepackt hat, war die Tatsache, dass seine Forschung nicht theoretisch geblieben ist, sondern immer im Dienste der Zauberkunst gestanden hat und steht und wirklich das Zeug hat, die Kunst voranzubringen.
Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, zu sagen das Miguel Ángel Geas Englisch nicht so ganz mit dem Fluß seiner elaborierten Gedanken Schritt halten kann: Ich habe den Eindruck, dass er häufig sehr viel mehr zu sagen hätte – und gerne sehr viel sagen würden – wenn es die Sprachbarriere nicht gäbe. Zwei seiner Bücher, so sagt er, seien auf Englisch verfügbar. Ich denke, ich kenne einen zukünftigen Leser …