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50 Jahre deutsches Löffelbiegen

(16. Januar 2024) Ein solides Stück Metall, das sich vor den Augen des Publikums langsam verbiegt – damit ist Uri Geller weltberühmt geworden. Vor 50 Jahren – am 17. Januar 1974 – konnte das deutsche Fernsehpublikum im ZDF zum ersten Mal live dabei sein. Es war nicht das letzte Mal, dass Löffel und Gabeln im Fernsehen verbogen wurden. Dieses schon irgendwie fernseh-historische Ereignis würdigen Oliver Welke und Oliver Kalkofe in ihrem Podcast „Kalk & Welk“, zu hören in der ARD Audiothek (ab Minute 26:10). Bei Kalkofe zuhause wurde damals sogar mitgebogen – mit der Folge, dass zwei Löffel danach „ganz leicht krumm“ waren. An Übersinnlichkeit wollen Oliver Welke und Oliver Kalkofe dennoch nicht so recht glauben. Von Schadenersatzansprüchen gegen das ZDF sah die Familie damals – anders als andere – übrigens ab. Beide werfen bei der Gelegenheit auch noch einen Blick zurück auf die Zauber-Casting-Show „The next Uri Geller“ aus dem Jahr 2008 und 2009, die bei ihnen jetzt nicht so richtig Eindruck hinterlassen hat.

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Aufnahmeprüfung? Aufnahmeprüfung!

(12. Dezember 2023) Wer Mitglied im Magischen Zirkel werden möchte, muss eine Aufnahmeprüfung bestehen. Als ich mit dem Zaubern angefangen und den Zirkel kennengelernt habe, hielt ich das für eine unsinnige Regelung: Als Neuling vor erfahrenen Zauberern auftreten? Die kennen doch eh alles! Und ob ich ernsthaftes Interesse mitbringe, kann man auch anders herausfinden. Wozu das alles? Mir kam das wie eine unnötige Hürde vor, die eher abschreckt. Aus der Zeit gefallen, fand ich damals. Nun liegt meine Prüfung hinter mir, und ich möchte sie eigentlich nicht missen.

Das liegt zum einen daran, dass mir ganz persönlich die Prüfung und die Vorbereitung darauf schlichtweg Spaß gemacht. Dazu muss man wissen, dass die Prüfung aus einem theoretischen Teil besteht – in dem man etwa Fragen zur Geschichte der Zauberkunst oder zu Tricktechniken beantwortet – sowie aus einem praktischen Teil, bei dem man vorzaubert.

Für mich war beides eine gute Möglichkeit, mich systematisch mit den verschiedenen Aspekten der Zauberkunst zu befassen, auch mit theoretischen oder historischen: Welche Künstler haben die Zauberei geprägt und warum? Was war früher anders? Und wie ist eigentlich die Geschichte des Vereins, dem du da beitreten willst? Zum Glück sind das Themen und Fragen, die mich sowieso interessieren. Wie tief ich in die einzelnen Bereiche dann abtauchen wollte, lag dann aber wieder ganz bei mir – eine Manipulationsnummer zum Beispiel schaue ich mir gerne an, das war es dann aber auch. Sich einmal aber zumindest etwas mit allem beschäftigt zu haben, fand ich dann doch ganz gut. Der praktische Teil bot dagegen die Möglichkeit, eine eigene kleine Show zu konzipieren – mit all den theoretischen Überlegungen im Hinterkopf, die ich bisher mitbekommen habe.

Ich persönlich könnte mir auch gut vorstellen, die Prüfungen individueller zu gestalten, indem man Schwerpunkte setzen kann: Wem es um das reine Zaubern geht, der zeigt ein längeres und anspruchsvolleres Programm. Wer Spaß an der Geschichte der Zauberkunst hat, bekommt hier mehr Raum. Aber auch dann bleibt es eine Prüfung, und ich kann immernoch jeden Verstehen, der die Idee einer Aufnahmeprüfung aus der Zeit gefallen findet. Niemand erschleicht sich mehr das Wissen um Trickgeheimnisse, in dem er an einem Abend unter der Woche in ein Vereinsheim geht. Vielleicht hilft ein anderer Blickwinkel: Wer mit dem Zaubern beginnt, kann Zeit seines Lebens Neues lernen. Das Feld ist unerschöpflich, und so eine Prüfung irgendwie ein schöner Meilenstein.

Foto: freepik.com

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Brasilianisches Flair in Oberrad

(23. November 2023) Zauberkunst ist sehr international, und das gehört mit zu den schönsten Dingen, wenn man tiefer in die Materie einsteigt: Die größten Namen der Szene können aus Spanien, Italien oder England kommen – oder eben von noch weiter weg: Bernardo Sedlacek (auf dem Foto in der Mitte) ist ein brasilianischer Zauberkünstler, der aktuell mit seinem Seminar durch Europa tourt und zum Abschluss seines Deutschland-Aufenthaltes bei uns zu Gast war.

Bernardo hat sich auf Kartenkunst spezialisiert – und das Wort „Kunst“ ist ganz bewusst gewählt, denn eine der Thesen von Bernardo Sedlacek: Wir sollten bei der Zauberei nicht von „Tricks“ sprechen. Das werte das Erlebnis und die Arbeit, die dahinter steckt, ab. Er selbst spreche immer gerne von einem Erlebnis, einem Effekt oder eben einfach von Magie. Das klingt im deutschen mitunter etwas eigenartig, scheint auf portugiesisch aber wunderbar zu klappen. Auch für alle, die als Zauberer nichts mit Spielkarten anfangen können (unverstellbar, aber wahr), hatte das Seminar vieles zu bieten. Es ging nicht in erster Linie um Kunststücke und Tricktechniken, sondern auch viel um Psychologie, die Rolle des Timings und die Lenkung der Aufmerksamkeit der Zuschauer. Zu dem Thema hatten wir dieses Jahr schon zwei andere Abende, was aber nur zeigt, wie elementar es ist.

Für mich ganz persönlich am beeindruckendsten waren aber die Freude und die Energie, die Bernardo Sedlacek ausgestrahlt und rübergebracht hat. Für ihn ging es danach weiter nach Italien, seine Anregungen und Ideen bleiben zum Glück hier.

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Buchtipp: „David Copperfield’s History of Magic“

Ein Zauberkünstler wird während seiner Vorführung erschossen. Eine Frau übernimmt 1896 nach dem Tod ihres Mannes seine Show und tritt auf den angesagtesten Bühnen der Welt auf. Die Suche nach dem mysteriösen Autor eines Buches über das Falschspielen hält Generationen von Zauberkünstlern in Atem – die Geschichte der Zauberkunst ist voll von dramatischen, skurrilen und spannenden Geschichten. 27 von ihnen erzählt David Copperfield auf rund 230 Seiten in seiner „History of Magic“. „Magie ist wichtig“, schreibt Copperfield, „sie entführt die Menschen in eine Welt, in der das unmögliche möglich ist.“ Und das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise durch eben jene Welt.

Dabei ist da Buch ein wenig wie eine private Führung durch Copperfields Museum. Jedes Kapitel beschreibt einen Gegenstand in seiner riesigen Sammlung, die er im Laufe der Zeit zusammengetragen hat. Copperfield erzählt anhand dieser Objekte – egal ob Gewehr, Kleid oder Buch – kurzweilig und interessant, wie sich die Zauberkunst entwickelt und verändert hat, wie sie neue Trends aufnahm oder voranbrachte und wer die Menschen waren, bei denen Zauberhistoriker leuchten in den Augen bekommen. Wirklich herausragend wird das Buch aber durch die mehr als 100 zum Teil großformatigen Farbfotos, die die Objekte der Sammlung perfekt inszeniert einfangen.

Nicht alles ist 100 Prozent akurat, und David Copperfield schreibt auch gerne über sich selbst – da ist es nur konsequent, dass das letzte Kapitel von ihm selbst handelt. Wer darüber hinwegsieht, bekommt ein sehr schön verarbeitetes Buch (auf Englisch), das zum Schmökern und Herumzeigen einlädt, ein Hingucker in jedem Bücherregal ist und das sicherlich für alle, die sich für Zauberkunst und ihre Geschichte interessieren (egal ob Zauberer oder nicht), lesenswert ist. Zu kaufen gibt’s das Buch nicht nur in der Winkelgasse, sondern auch im normalen Buchhandel.

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Die Zauberer-WM: Wie Quidditch, nur in echt

(10. September 2023) Alle drei Jahre findet die Weltmeisterschaft der Zauberkunst statt. Dort werden dann in verschiedenen Sparten die besten ihres Faches gekürt. Wer gewinnt, darf sich nicht nur über die Auszeichnung freuen, sondern erlebt mit großer Wahrscheinlichkeit auch einen Riesen-Schub in der eigenen Zauber-Karriere.

Im vergangenen Jahr reisten dafür hunderte Zauberkünstler und -künstlerinnen aus der ganzen Welt nach Quebec in Kanada. Es gab Workshops, bei denen man von Profis lernen konnte, gegenseitiges Vorzaubern einfach nur zum Spaß und natürlich Wettbewerbe. Die National Geographic war dabei und gibt in einem schönen Artikel einen tollen Einblick in die Veranstaltung, in der Zauberer versuchen, sich gegenseitig zu täuschen. Zu lesen ist der (englische) Text jetzt auch kostenfrei auf der Homepage der Zeitschrift. Die nächste Zauber-WM findet dann in Italien statt.