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„Jedem Anfang …

(26. März 2026) … wohnt ein Zauber inne,“. Das ist sicherlich eines der meistgebrauchten, klassischen Zitate aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse und vielleicht kann der Eine oder andere noch die nächste Zeile anfügen: „der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“. Gemeinhin wird der Ausschnitt aus dem Gedicht als Ausdruck dessen gesehen, dass das Neue immer etwas Spannendes, immer etwas Schönes, immer etwas Begrüßenswertes sei. Dabei wird gerne ignoriert, dass auch darum geht, Abschied nicht als Verlust zu empfinden und dass der ursprüngliche Titel „Transzendenz“ klar auf das Konzept der Wiedergeburt hinweist.

Wie sagt da einer meiner Lieblingssänger Max Raabe? „Egal!“ Die erste Mikromagica in den heilige Hallen des Idsteiner Pestalozzi-Gymnasiums war einfach nur spannend, schön und rundheraus begrüßenswert: Meine Herr’n, war das eine tolle Veranstaltung! Diesem Anfang wohnte ganz sicher ein Zauber inne, einer der mit Abschied und Wiedergeburt mal grade gar nichts zu tun hatte.

Das haben wir natürlich zuvörderst unseren Aktiven, der Michelle Spillner, dem Stefan Sprenger, dem Harry Keaton und dem Alex Morgenthau zu verdanken – eine Zaubervorstellung ohne Zauberinnen und Zauberer ist nur halb so schön. Wir hatten zum ersten Mal auf unser Umfrage-Tool hingwiesen (umfrage.zauberblatt.de) und da laufen seit der Vorstellung die Rückmeldungen ein, die allesamt eines besagen: Die Vier haben überzeugt, die haben dem Publikum eine Form der Zauberei gezeigt, die sie vorher so noch nicht gesehen hatten und haben sie begeistert. Das Publikum war aber auch die Wucht in Tüten, die sind mitgegangen, haben sich auf „die Bühne“ bitten lassen, haben geklatscht (mehrheitlich an den richtigen Stellen) und waren einfach erkennbar willens, sich unterhalten zu lassen.

Wir dürfen aber natürlich auch nicht vergessen, dass uns die Schule erheblich unterstützt hat, nicht nur dadurch, dass sie die Räume zur Verfügung gestellt hat, sondern auch dadurch, dass wir die Räume unaufgeräumt hinterlassen durften, das ist schon ein Luxus.

Ein noch viel größerer Luxus war das Catering durch die Hospitzstiftung Idsteiner Land! Das hat aus der ganzen Geschichte ein sehr rundes Paket gemacht – und dass der karitative Aspekt der Veranstaltung dadurch offensichtlich war, hat jetzt auch nicht direkt geschadet, wie man am Spendenaufkommen sehen konnte.

Wenn diese Veranstaltung eine weitere Inkarnation erlebt, weiß ich jetzt schon, dass meine Zauberfreundinnen und Zauberfreunde Schlange stehen werden, um mitmachen zu dürfen!

P.S.: Sie haben gemerkt, wie subtil ich den Zirkelschluss zu Motiven vom Beginn dieses Beitrag geschafft habe, oder?

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Eine Frage der Perspektive

(14. März 2026) Wer ehrenamtlich arbeitet, kennt das: Man bereitet eine Veranstaltung vor, man sucht und findet einen schönen Ort, man denkt sich ein schönes Programm aus, es gibt durchaus genießbares Essen und gibt in großen Mengen den Treibstoff jeder Geselligkeit: Kaffee. Und dann kommt keiner – und dann wird man ärgerlich – und dann fragt man sich, was man denn noch tun soll …

Und manchmal gehen diese Gedanken am Kern der Dinge vorbei, denn wie wäre es, wenn die Perspektive eine andere wäre: Wir haben kein Angebot, wir sind in der Position des Nachfragers! Wir fragen die freie Zeit der Menschen nach und es weiß jeder von sich selber, dass das eine rare Ressource ist. Nicht zu unserer Veranstaltung zu kommen, ist vielleicht keine Geringachtung, sondern ein unauflöslicher Ressourcenkonflikt: Das kranke Kind, Tante Ernas Geburtstag, der Besuch einer alten Schulfreundin, der erste freie Tag nach Wochen, die laue Luft auf der Terrasse und der wohlschmeckende Rosé …

So muss es gewesen sein, nur so kann es gewesen sein, es war der lockende Vorfrühling, der etliche Zauberfreunde davon abgehalten hat, zur gemeinsamen Neujahrsfeier der Ortszirkel Mainz/Wiesbaden und Frankfurt ins formidable Zeitensprung Zaubertheater in Ingelheim zu kommen. So feiert denn ein kleines Publikum das schon gar nicht mehr ganz so junge Jahr. Aber so, wie man zu jeder Zeit einen Gin Tonic trinken kann mit der Begründung, irgendwo auf der Welt sei schließlich immer schon sech Uhr, so kann man das neue Jahr zu jeder Zeit begrüßen – wer sagt denn, dass es schon am 1.1. begonnen hat?

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Das symbiotische Publikum

(18. Februar 2026) Zaubern ist eine darstellende Kunst, sie entsteht erst und nur in der Interaktion mit dem Publikum – und das gilt für die Zauberei noch etwas mehr, als für das Schaupiel und die Musik. Natürlich passiert viel unter der Oberfläche, zuhause, vor dem Spiegel, als Übung. Aber das ist alles kein Selbstzweck, der Kulminationspunkt all dessen ist der Auftritt, ist der Vortrag vor und das Gespräch mit dem Publikum. Darauf ist der Zauberkünstler noch ein wenig mehr angewiesen als der Schauspieler und der Musiker – die können notfalls auch einem unwilligen und unkooperativen Publikum ihre Kunst vorführen. Ja, ich verstehe dass auch für diese Künstler ein freundliches, zugewandtes Publikum schöner und besser ist, aber wenn alle Stricke reissen …

Freddy Thau, Lennard Fabricius und Alex Morgenthau ist ein freundliches und zugewandtes Publikum notwendig, die Drei reden permanent mit dem Publikum, die wollen, die brauchen Interaktion – denn genau das macht den Reiz der Mikromagie aus und genau das ist der Charme des Kleinen Mittwochs im Kulturcafé Windrose in Oberursel. Man ist immer versucht, die Leute im Publikum zu fragen: „Och, könnten Sie sich vorstellen, mit zu meinem nächsten Auftritt zu kommen?“, so toll ist dieses Publikum. Die klatschen und lachen und blöken rein und geben Laute des Erstaunens von sich und das immer an den richtigen Stellen! Und sie kommen wieder – und wieder – und wieder … Mittlerweile müssen wir uns ganz genau überlegen, wer schon mal welche Nummer gezeigt hat, damit die Leut‘ nicht immer wieder dasselbe zu sehen bekommen. Ich gebe zu: Ein Luxusproblem, das ich zumindestens gerne habe.

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Laaaangweilig …

(16. Februar 2026) Hauptversammlungen stehen in dem Ruf, langweilig zu sein – nicht ganz zu unrecht, denn es gibt viele Formalia abzuhandeln und Formalia sind nun mal per definitionem kein Inhalt, sondern … naja … Formalien eben. Aber man stelle sich vor, es gäbe den Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden nicht und den Bericht des Kassenwarts auch nicht, man stelle sich vor, der Vorstand könnte einfach machen, was er will, ohne denjenigen, die Mitgliedsbeiträge zahlen, Rechenschaft abzulegen davon, wohin ihr Geld geflossen ist: Auch nicht gut, oder? Auch die Demokratie im Kleinen muss sich manchmal den Mühen der Ebene unterziehen.

Gemessen daran war unsere just stattgehabte Hauptversammlung gar nicht so schlecht. Gut, das ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass der alte Vorstand in allen fünf Positionen der neue ist und er mit Mehrheiten gewählt wurde, die selbst den alten Kim Il Sung vor Neid hätten erblassen lassen. Aber es wurde auch viel der Sache nach diskutiert: Was machen wir mit unserer Bibliothek? Wie erfassen wir in Zukunft elektrisch, wer bei unseren Seminaren anwesend ist? Welche Seminare haben wir bereits gebucht (spoiler: it’s gonna be da bomb, bro!)? Wie ist der Sachstand der Vorbereitungen der Vorentscheidungen (guckst Du hier)? Das ist eine Menge Inhalt für so viele Formalia, oder?

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Rolle vorwärts

(2. Februar 2026) Jeder von uns hat ganz viele Rollen im Leben: Vater, Kellner, Chef, Golfpartner, Typ in der Supermarktschlange, Mitsaunierer, … Spannend wird es immer im Leben, wenn Leute gegen den Strich der Rolle gebürstet werden, die Ihnen ansonsten in einem Kontext zuerkannt wird, wenn sich plötzlich herausstellt, dass der-/diejenige noch etwas ganz anderes ist, als alle anderen bisher gedacht und erwartet hatten.

Der Lennard Fabricius ist Anwärter bei uns, dem Ortszirkel Frankfurt, und es fehlt eigentlich nur an einem gemeinsamen Termin, um ihn im Rahmen einer Prüfung zum Mitglied mit allen Ehren und Würden zu machen. Lennard besticht durch einen fast schon dadaistischen Humor – er stellt sich im Rahmen einer Seilnummer schon mal als Vizeeuropameister der Polyester-Hypnose vor.

Und jetzt stellt sich – in Brechung seiner bisherigen Rolle – heraus, dass er ein begnadeter Bastler mit sehr profundem Wissen über Spielkarten ist! Der Zirkelabend, den er gestaltet, ist eine absolute Wucht! Statt theoretischer Vorträge wird gebastelt – es müssen nicht alle mitmachen, aber alle wollen! Aus Lennards Tasche kommt ein Gerät nach dem anderen zum Vorschein (und sein britischer Humor taucht wieder auf, als er Gerät zum Erhitzen von Thermokleber als Bügeleisen für Kleinwüchsige bezeichnet).

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Auftritt zu Weinen

(21. Januar 2026) Schon mal erlebt? Man sieht sich erst das zweite Mal, aber es fühlt sich an, als kenne man sich schon – naja, nicht ewig, aber schon lange. Ging mir so bei unserem Auftritt für den Verein Historischer Weinberg Mainaschaff. Den hatten wir anläßlich unserer ersten Mikromagica im Alten Rathaus in Mainaschaff kennengelernt. Dass man den Lokalmatador Florian Schädlich begrüßt, wie einen alten Bekannten nimmt so recht nicht Wunder, denn für viele der Gäste ist er ja genau das: Die haben den Florian noch mit der Rassel um den Tannenbaum toben gesehen. Aber auch ich werde fast schon unanständig freundlich behandelt, ich werde mehrfach gefragt, ob ich denn ein Wasser trinken wolle, mit viel oder wenig Kohlensäure, warm oder kalt, aus einem runden Glas oder einem eckigen, lieber jetzt oder eher später, …, und dann wiederholt sich das Prozedere nach Eröffnung des Buffets …

Wie es sich für einen Weinbergs-Verein gehört, wird das Jahr mit einer Weinprobe eröffnet im Rahmen der ein kundiger Sommelier durch acht badische Weine und einen Sekt führt. Die werden betrachtet, gerochen, beschrieben, die Rebsorte und der Ausbau werden gewürdigt und dem Kellermeister und Winzer wird die Referenz erwisen („Ein sehr netter Kerl und sehr kompetenter Winzer!“) – es sollen wohl auch vereinzelt Weine getrunken worden sein …

Und der Florian und ich spielen zu Beginn eine Nummer „von vorne“ für’s gesamte Publikum und machen dann zwischen den Verkostungen zwei Durchgänge table hopping. Und wieder ist das Publikum einfach Bombe: Die haben Spaß und die lassen das auch ihr Gesicht und ihre Hände wissen! Ich wiederhole mich: Für solche Auftritte macht man den $ch€|$$!

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Der ist anders …

(19. Januar 2026) Spanier haben was los, wenn’s um Kartenzauberei und close-up im Allgemeinen geht, das weiß man ja. Namen wie Juan Tamariz oder Dani DaOrtiz sagen jedem halbwegs Eingeweihten etwas, der Name Miguel Ángel Gea nicht unbedingt – und das ist ewig schade! Der Mann gehört sicher zu denen, die was los haben – der hat soviel los, dass manche Teilnehmer des Seminars hinterher sagen: „Gut, da kann ich jetzt aufhören mit zaubern, das erreiche ich nie.“. Ich gehöre auch zu denen, die das – im Scherz – sagen, aber die eigentliche Botschaft eines Abends, wie diesem ist natürlich: „Schau her: Da kann es hingehen, wenn man die entsprechende Arbeit und Passion reinsteckt.“. Hört der Hobbyaquarellist mit dem Malen auf, weil es einen Vincent van Gogh gegeben hat? Nein, natürlich nicht, aber er strengt sich vielleicht ein wenig mehr an, weil es ihn gegeben hat.

Miguel Ángel Gea verbindet zwei Dinge miteinander, die seine Zauberkunst unglaublich effektiv und faszinierend machen: Ein sehr interessantes, wohl durchdachtes theoretisches Gebäude und eine erhebliche Fingerfertigkeit. Dabei ist das Theoriegebäude der ungewöhnlichere der beiden Aspekte seiner Zauberkunst, denn viele erfahrene Zauberer machen Dinge, weil ihre Erfahrung sie gelehrt hat, dass es „so richtig ist“, Miguel Ángel Gea hat sich mit Neurowissenschaftlern hingesetzt und Dinge wie Konstruktion, Struktur, Gestalt, Intentionalität, Information und Vieles mehr diskutiert. Die Auswirkungen und Anwendungen dessen zeigt er in seinem Seminar, keine These wird trocken vorgetragen, alles wird sofort am konkreten Beispiel gezeigt – und wenn er mal Dinge bewußt „falsch“ zeigt, wird jedem sofort klar, warum die richtige Version soooo viel besser war.

Was mich schlußendlich am meisten gepackt hat, war die Tatsache, dass seine Forschung nicht theoretisch geblieben ist, sondern immer im Dienste der Zauberkunst gestanden hat und steht und wirklich das Zeug hat, die Kunst voranzubringen.

Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, zu sagen das Miguel Ángel Geas Englisch nicht so ganz mit dem Fluß seiner elaborierten Gedanken Schritt halten kann: Ich habe den Eindruck, dass er häufig sehr viel mehr zu sagen hätte – und gerne sehr viel sagen würden – wenn es die Sprachbarriere nicht gäbe. Zwei seiner Bücher, so sagt er, seien auf Englisch verfügbar. Ich denke, ich kenne einen zukünftigen Leser …

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Harmloses Nerdtum

(17. November 2025) Es ist November, es ist dunkel und kalt, es ist grau und unwirtlich ja, mein Gott, November eben. Und da sitzt ein kleiner Haufen von Leuten beisammen und zeigt sich gegenseitig den immer gleichen Karteneffekt: Ein Zuschauer nennt eine Spielkarte und und eine Zahl – und die genannte Karte befindet sich genau an der genannten Stelle. Naja, also Effekte, die für den Zuschauer so aussehen sollen, als wäre das passiert. Naja, also Effekte die man so interpretieren könnte, als sei das Beschriebene passiert. Naja, also Effekte die nicht völlig verschieden sind von dem beschriebenen Effekt. Naja, also schon irgendwie sowas …

Ja, was denn? Spielkarte nennen, Zahl nennen, die genannte Spielkarte liegt an der genannten Stelle – pah, zaubern können wir nicht!

Das ist schon irgendwie ziemlich nerdy, dass man sich an einem Montagabend aufmacht, und sich nur über so ein Thema unterhält, aber ich finde es auf eine gute Art und Weise nerdy, denn es tut niemandem weh, es stört niemanden, es stiftet Gemeinschaft und Gemeinsamkeit und es trägt vielleicht irgendwann mal dazu bei, dass sich Menschen gut unterhalten und Spaß haben.

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Ein Terzett a quatuor

(6. Oktober 2025) Was ist viel, was ist wenig? Fünf Minuten können eine lange Zeit sein oder eine kurze: Es hängt halt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentür man sich befindet. Vier Teilnehmer an einem Zirkelabend können viel sein oder wenig, je nachdem durch welche Brille man schaut. Es ist einerseits schade, dass sich nicht mehr Zauberfreunde gefunden haben, die Testpublikum für unseren sehr engagierten Anwärter Freddy Thau sein wollten, dem wir an diesem Abend die Gelegenheit geben wollten, sein Prüfungsprogramm noch einmal zu spielen. Der hätte auch gerne vor 20 Leuten gespielt, so wie ich ihn einschätze. So war es dann aber ein sehr erlesener Kreis, der gelauscht, geschaut und wertschätzend Verbesserungsvorschläge unterbreitet hat. Und danach haben wir gejammed – das ist der Versuch, einen coolen Ausdruck dafür zu finden, dass wir uns gegenseitig „Sachen“ gezeigt haben, teilweise auch „Zeug“: Das hat ’ne Menge Spaß gemacht! Sollte man mal drüber nachdenken, sowas zu formalisieren: Jeweils vier, fünf Leute setzen sich an jeweils einen Tisch und spielen mal ein bisschen rum …

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Die stimmige Stimmung

(26. September 2025) Wir befragen die allwissende Müllhalde in der Wikipedia-Ausprägung und erfahren: „Stimmung bezeichnet in der Psychologie eine Form des angenehmen oder unangenehmen Fühlens, das den Hintergrund menschlichen Erlebens bildet. Die Stimmung hängt hauptsächlich von der (biologischen) Gesamtverfassung des Individuums und seinem Befinden ab.“

Als Zauberer wollen wir ja immer eine angenehme Stimmung für unsere Gäste und Zuschauer erzeugen, damit es eben ein „stimmiges“ Gesamterlebnis gibt: Nicht zu hell im Zuschauerraum, damit nichts vom Bühnengeschehen ablenkt, vorne viel Licht, damit alle gut sehen, bequeme Stühle, Musik-queues, damit jeder weiß wann’s losgeht und aufhört, Weinchen, Bierchen und Knabberzeug damit kein knurrender Magen vom geschliffenen Vortrag ablenkt, versetzte, ansteigende Sitzreihen, damit alle jederzeit gut sehen können – und bloß keine Bemerkungen über Politik, Religion oder Dosenpfand, denn wie sagt der Kölner? „Am schönsten isset, wenn et schön is“.

Wie ist denn wohl die Stimmung bei einem Zauberauftritt in der Turnhalle (so etwa in Höhe des Volleyballfelds) mit fünf, nicht-ansteigenden Sitzreihen hintereinander gebildet aus normalen Bürostühlen, so beleuchtet, wie Turnhallen nun mal eben beleuchtet sind, ohne elektrische Stimmenverstärkung und Musik und ohne catering vor lauter Leuten, die in ihrer Arbeitskleidung aufmarschiert sind? Sie ist überbordend, ausgelassen, verblüfft, fröhlich, anteilnehmend, mitmachend und für den Künstler eine einzige Freude – wenn sie so wie beschrieben in einer Justizvollzugsanstalt stattfindet!

Es ist im Wortsinne verrückt, die Maßstäbe scheinen ver-rückt, ist doch dieses Publikum und die Stimmung (wir schrieben gelegentlich davon z.B. hier und hier) genauso, wie man sich jedes Publikum, wie man sich jede Stimmung wünschen würde, obwohl die äußeren Umstände (kein Licht, kein Ton, keine Jingles, …) denkbar ungünstig zu sein scheinen. Der Kontrast könnte nicht größer sein und vielleicht bleiben einem deshalb diese Auftritte – in diesem Falle in der JVA Darmstadt – so hängen. Es mag zu dieser Stimmung beitragen, dass sich die Menschen im Publikum alle gegenseitig kennen, aber wenn dass das entscheidende Kriterium wäre, dann müssten ja auch Auftritte zum Beispiel bei Firmen einen ähnlichen Charakter haben, aber das ist – vorsichtig formuliert – nicht immer der Fall.

Ich werde einen Teufel tun und mich fremden Federn schmückten: Die Diskrepanz zwischen „Stimmung des Ortes“ und „Stimmung des Publikums“, die wir zwar alle gespürt haben, aber nicht so recht in Worte fassen konnten, hat der Zauberfreund Alex Morgenthau als Erster benannt: Danke, Alex!

„Wir“ war übrigens kein pluralis majestatis, sondern bezeichnet außer Alex noch die Zauberfreunde Freddy Tau, Stephan Hübner und mich.

P.S.: Aus leicht verständlichen Gründen ist das fotografieren in JVAs untersagt, deshalb muss der KI-generierte Zylinderträger als Beitragsbild ran …